In den ersten sechs Monaten verändert sich Ihr Baby so schnell wie nie mehr danach. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Lesen Sie diesen Text deshalb als Überblick, nicht als Checkliste. Er beruht auf dem Elternleitfaden, den ich in meinen Babykursen abgebe, und gilt für termingerecht geborene Babys ohne Entwicklungsverzögerungen.
0 bis 3 Monate: ankommen und in Beziehung treten
Ihr Baby lernt, seinen Körper koordinierter zu bewegen. In diesen Wochen bemerken Sie vielleicht: Ihr Baby
- zeigt weniger Neugeborenenreflexe und entwickelt erste Gleichgewichtsreaktionen
- hat einen ausgeglicheneren Muskeltonus, weder schlaff noch steif
- geniesst es, im Arm gewiegt zu werden
- hebt in Rückenlage die Beine
- dreht den Kopf zu beiden Seiten und folgt Gegenständen mit den Augen
- bewegt Arme und Beine symmetrischer
- nimmt Blickkontakt auf
- führt beide Hände zur Körpermitte und beginnt, mit einer Hand die Mittellinie zu kreuzen
In Bauchlage
- stützt sich über das Becken ab, hebt den Kopf und legt ihn wieder sanft ab
- dreht den Kopf zu beiden Seiten und legt ihn auf der einen oder anderen Wange ab
- stützt sich auf die Ellbogen
- liegt entspannt auf der einen wie auf der anderen Seite
- öffnet und schliesst die Hände und greift mit beiden nach vorn
- streckt sich und strampelt mit beiden Beinen
Beziehung und Sinne
- lächelt, gurrt und brabbelt – und weint, um zu zeigen, was es braucht
- reagiert auf Sie über Berührung, Laute und Bewegung
- reagiert auf verschiedene Arten von Berührung, vom sanften Streicheln bis zu tieferem Druck
- geniesst sanftes Schaukeln und Schwingen und bemerkt Tempowechsel
- hört Ihrer Stimme, Musik, leisen und lauten Geräuschen zu und beginnt, Rhythmus zu geniessen
Was jetzt hilft: In den ersten Monaten geht es um Vertrauen und Bindung. Lassen Sie sich von Ihrem Baby leiten, bieten Sie verschiedene Arten von Berührung und sanfte Bewegung an und geniessen Sie diese Zeit des gemeinsamen Entdeckens.
3 bis 6 Monate: sich gezielt bewegen
Zwischen drei und sechs Monaten wird Ihr Baby aktiver, neugieriger und geselliger. Die Bewegungen werden zielgerichtet: Jetzt beginnen das Drehen, das Greifen und das Spiel mit Menschen und Spielzeug.
Bewegung
- Gleichgewicht und Muskeltonus. Die Haltung wird stabiler. Sanftes Wippen und Verlagern – ein Spiel, das wir «Lunapark» nennen – trainiert die Gleichgewichtsreaktionen.
- Hände zu den Füssen. Bis zum sechsten Monat heben viele Babys in Rückenlage die Beine und greifen nach ihren Füssen. Helfen Sie Ihrem Baby, seine Füsse zu finden, von der Seite oder diagonal.
- Bauchlage. Ihr Baby hebt Kopf und Brust, zuerst auf die Ellbogen gestützt, dann auf die gestreckten Arme. Ein Spielzeug auf Augenhöhe, auf dem Boden oder auf einem Therapieball, macht es spannend.
- Drehen. Vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück. Führen Sie die Bewegung langsam, damit Ihr Baby sie spüren kann.
- Gewicht verlagern. Von einer Seite auf die andere, in Bauch- und in Rückenlage. Ein seitlich gehaltenes Spielzeug lädt ein, zur Seite zu greifen.
- Greifen und Festhalten. Mit beiden Händen, dann zum Mund hin. Bieten Sie Spielzeug in der Mitte an, später knapp ausser Reichweite.
- Kreisen auf dem Bauch. Der Kopf dreht sich, ein Knie beugt sich zur gleichen Seite, und Ihr Baby beginnt, sich im Kreis zu drehen.
- Mit den Füssen abstossen. Gegen eine feste Unterlage, in Rücken- und in Bauchlage. Das sind die ersten Schritte in Richtung Krabbeln.
Sinne
- geniesst verschiedene Arten von Berührung: Klopfen, Druck, Reiben, Rollen auf einer weichen Unterlage
- erkundet Bewegung im Raum durch Schaukeln und Wippen
- spürt, wie sich sein Körper bewegt, zum Beispiel wenn Sie es auf einer weichen Matratze langsam hinter sich herziehen
- reagiert auf Tempowechsel nach dem Prinzip «Stopp und los»
- liebt Ihre Stimme am meisten und reagiert auf Rhythmus, zum Beispiel auf sanftes Klopfen im Takt der Musik
Beziehung
- plappert und bildet erste Lautketten
- lächelt, um Kontakt aufzunehmen und Freude zu zeigen
- betrachtet die eigenen Hände und greift gezielt nach Menschen und Spielzeug
- fühlt sich bei fremden Menschen, plötzlichen Bewegungen oder an unbekannten Orten vielleicht unsicher. Bleiben Sie in seiner Nähe, berühren Sie es sanft und spielen Sie Guguus-Dada oder Singspiele, damit sich Ihr Baby sicher fühlt.
Wann Sie Rat holen sollten
Babys erreichen diese Schritte zu unterschiedlichen Zeiten. Wenn Sie sich Sorgen machen, zum Beispiel weil Ihr Baby deutlich eine Seite bevorzugt, die Bauchlage gar nicht mag oder nicht weiterzukommen scheint, sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt. Gerne schaue ich mir Ihr Baby auch gemeinsam mit Ihnen an.



