Ein entwicklungsorientierter Blick aufs Spielen mit Ihrem Neugeborenen oder Baby (0–6 Monate) – ohne das Gefühl, es den ganzen Tag unterhalten zu müssen.
«Was soll ich eigentlich den ganzen Tag mit meinem Baby machen?»
Diese Frage höre ich von frischgebackenen Eltern erstaunlich oft. In meiner Arbeit mit Babys und Eltern in Zürich begegnet sie mir immer wieder, in ganz unterschiedlichen Varianten.
Sie haben Ihr Baby gefüttert. Gewickelt. Gekuschelt. Vielleicht waren Sie spazieren.
Und jetzt?
Sollten Sie Bauchlage üben? Spielsachen zeigen? Das Drehen trainieren? Singen? Übungen machen? Und woher wissen Sie, ob das, was Sie tun, seine Entwicklung wirklich unterstützt?
Was ich Eltern oft sage:
Sie müssen Ihr Baby nicht den ganzen Tag unterhalten.
Ihr Baby ist bereits voll damit beschäftigt, sich zu entwickeln.
Ihre Aufgabe ist nicht, sich ständig neue Beschäftigungen auszudenken. Sondern zu lernen, wahrzunehmen, was Ihr Baby gerade zu entdecken versucht – und manchmal genau die richtigen Bedingungen zu schaffen, damit es noch ein bisschen mehr entdecken kann.
Zuerst einmal beobachten
Legen Sie Ihr Baby an einen bequemen, sicheren Ort und nehmen Sie sich einen Moment Zeit, bevor Sie irgendetwas tun.
Wohin schaut es?
Wo sind seine Hände?
Bewegt es beide Körperseiten?
Versucht es, nach etwas zu greifen?
Was passiert, wenn es nicht sofort klappt?
Diese letzte Frage ist besonders spannend.
Vor Kurzem habe ich mit einem Baby gearbeitet, das auf dem Bauch lag. Ein Arm steckte unter seinem Körper fest.
Die natürliche Reaktion von uns Erwachsenen ist oft, zu helfen: Komm, ich ziehe deinen Arm heraus.
Stattdessen haben wir gewartet.
Er bewegte sich. Probierte. Veränderte die Lage seines Körpers. Fand die Lösung beinahe selbst.
Nichts Spektakuläres geschah.
Und doch passierte entwicklungsmässig sehr viel.
Er spürte sein eigenes Gewicht, entdeckte, wie sich der Druck auf seinen Arm veränderte, wenn er sein Gewicht verlagerte, und begann, seine eigene Lösung zu finden.
Manchmal ist das Hilfreichste, was wir tun können, ein Problem nicht zu schnell zu lösen.
Bauchlage muss keine Übung sein
Viele Eltern haben gehört, dass die Bauchlage wichtig ist.
Das stimmt. Aber das heisst nicht, dass Ihr Baby auf einer Matte liegen muss, während Sie auf die Uhr schauen.
Bauchlage kann auf Ihrer Brust stattfinden, quer über Ihren Beinen, über einem kleinen Polster oder in verschiedenen spielerischen Positionen.
Entscheidend ist, was Ihr Baby dabei erlebt.
Kann es beginnen, sich auf die Arme zu stützen? Kann es den Kopf heben und drehen? Kann es sein Gewicht verlagern? Kann es entdecken, dass sich eine Bewegung in einem Körperteil auf einen anderen auswirkt?
Diese einfachen Alltagserfahrungen können für die motorische Entwicklung Ihres Babys eine wichtige Rolle spielen. Nach und nach fliessen sie in viel grössere Fähigkeiten ein, die später kommen: Greifen, Drehen, Sitzen, Krabbeln und die Fortbewegung im Raum.
Sobald Eltern verstehen, warum etwas wichtig ist, ist die Bauchlage keine Übung mehr, die man abhaken muss.
Sie wird zu etwas, das sie gemeinsam mit ihrem Baby erkunden können.
Der Boden ist bereits ein wunderbarer Spielplatz
Sie brauchen kein Zimmer voller Entwicklungsspielzeug.
Ihr Gesicht ist faszinierend. Ihre Stimme ist faszinierend. Ihre Hände sind faszinierend.
Und genauso die eigenen Hände und Füsse Ihres Babys.
Je nach Alter Ihres Babys können Sie sich neben es legen und mit ihm sprechen, es Ihr Gesicht mit den Augen verfolgen lassen, ihm einen Gegenstand leicht seitlich anbieten, ihm helfen, seine Füsse zu entdecken, in Seitenlage spielen, singen, während Sie behutsam seine Position verändern, oder ihm einfach Zeit geben, sich frei auf dem Boden zu bewegen.
Ein Spielzeug muss Ihrem Baby nicht immer direkt in die Hand gelegt werden.
Legen Sie es an eine interessante Stelle und schauen Sie, was passiert.
Bemerkt es das Spielzeug?
Wendet es sich ihm zu?
Versucht es, danach zu greifen?
Verändert es seine Körperhaltung, um näher heranzukommen?
Das Spannende ist oft nicht, ob es das Spielzeug erreicht.
Sondern alles, was es dabei in seinem Körper organisiert.
Ihr Baby muss nichts «leisten»
Entwicklung ist keine Checkliste, die möglichst schnell abgehakt werden muss.
Jedes Baby entwickelt sich anders, und die Unterschiede sind enorm.
Ein Baby ist vielleicht fasziniert vom Greifen. Ein anderes will ständig in Bewegung sein. Wieder ein anderes braucht mehr Zeit, bis es sich in einer neuen Position wohlfühlt.
Deshalb interessiert mich viel mehr, wie sich ein Baby bewegt, als nur die Frage, ob es einen bestimmten Meilenstein schon erreicht hat.
Und mich interessieren auch die Eltern.
Was tun Sie, wenn sich Ihr Baby abmüht?
Helfen Sie sofort?
Warten Sie?
Bieten Sie weiter etwas an, obwohl sich Ihr Baby schon abgewendet hat?
Sie müssen nicht jede Interaktion «richtig» machen.
Doch wenn Sie diese kleinen Momente bewusster wahrnehmen, kann das Ihre gemeinsame Zeit völlig verändern.
Was sollen Sie also eigentlich den ganzen Tag tun?
Füttern Sie Ihr Baby. Tragen Sie es. Sprechen Sie mit ihm. Gehen Sie nach draussen. Lassen Sie es Ihnen zuschauen.
- Legen Sie es auf den Boden.
- Singen Sie.
- Bieten Sie verschiedene Positionen an.
- Geben Sie ihm etwas Interessantes zum Anschauen oder Greifen.
- Lassen Sie es seine eigenen Hände und Füsse entdecken.
- Und manchmal – tun Sie weniger und beobachten Sie mehr.
Sie brauchen keine Liste mit zwanzig Entwicklungsübungen.
Viel hilfreicher ist es, erkennen zu lernen:
Woran arbeitet mein Baby gerade?
Was könnte ich anbieten, damit es noch etwas spannender wird?
Wann sollte ich helfen – und wann kann ich warten?
Dieses Wissen begleitet Sie, während Ihr Baby wächst und sich verändert.
Wenn Sie sich jemanden wünschen, der gemeinsam mit Ihnen hinschaut
Manchmal brauchen Eltern kein weiteres Video und keine weitere Liste mit Übungen.
Sie wünschen sich jemanden, der gemeinsam mit ihnen auf ihr Baby schaut.
Genau das mache ich in meinem Einzelcoaching, bei Ihnen zu Hause oder in meiner Praxis in Kilchberg.
Wir beobachten Ihr Baby und spielen gemeinsam mit ihm. Ich erkläre, was ich sehe, warum bestimmte Erfahrungen gerade in dieser Phase hilfreich sein können und wie Sie sie ganz natürlich in Ihren Alltag einbauen.
Danach erhalten Sie einige auf Ihr Baby abgestimmte Ideen, mit denen Sie zu Hause weitermachen können.
Das Ziel ist nicht, Ihnen noch mehr Dinge zu geben, die Sie tun sollten.
Sondern Ihnen zu helfen, Ihr Baby so gut zu verstehen, dass alltägliche Momente zu Gelegenheiten für Entwicklung, Nähe und Spiel werden.
Denn sobald Sie verstehen, warum etwas hilft, brauchen Sie keine Liste mehr – und beginnen zu sehen, was Ihr eigenes Baby braucht.
Häufige Fragen
Muss ich mein Baby den ganzen Tag unterhalten?
Nein. Babys brauchen auch Zeit, um zu beobachten, sich frei zu bewegen und ihren eigenen Körper und ihre Umgebung zu entdecken. Sie müssen nicht ständig für Beschäftigung sorgen.
Wie viel sollte ich mit meinem Baby spielen?
Dafür gibt es kein festes Mass. Kurze Momente des Austauschs im Laufe des Alltags können genügen. Richten Sie sich nach dem Interesse und den Signalen Ihres Babys statt nach der Uhr.
Welche Aktivitäten eignen sich für ein Baby von 0 bis 6 Monaten?
Sprechen von Angesicht zu Angesicht, Zeit am Boden, Bauchlage in verschiedenen Positionen, Seitenlage, Greifen, das Entdecken von Händen und Füssen, Lieder, Tragen und einfach das Beobachten des Alltags – all das kann wertvolle Entwicklungserfahrungen bieten.
Was, wenn ich mir bei der Entwicklung meines Babys unsicher bin?
Wenn Sie etwas beunruhigt, besprechen Sie es mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer anderen medizinischen Fachperson. Wenn Sie sich vor allem fragen, wie Sie mit Ihrem Baby spielen und es individuell unterstützen können, kann Ihnen ein Einzelcoaching praktische Ideen geben.



